IDENTITÄTSTRÄGER – Wie Gestaltung die Wahrnehmung technischer Infrastrukturbauten in der Stadt prägt Müllverbrennungsanlage Spittelau
Jana COMPLOVÁ
2026 SS -
Harald R. Stühlinger
Die Beziehung zwischen Menschen und Müll ist lang und intim. Den Abfall gibt es seit dem Aufkommen der Menschheit. Wie hat sich das Konzept des Wegwerfens, Entsorgens und Wiederverwertens über die Zeit hinweg bis heute verändert?
Technische Infrastrukturbauten wie Müllverbrennungsanlagen werden meistens am Stadtrand situiert, räumlich getrennt und von negativen Eindrücken begleitet. In Anbetracht dessen besteht die zentrale Aufgabe der Arbeit darin, am Beispiel der Müllverbrennungsanlage Spittelau in Wien zu untersuchen, welche architektonischen, künstlerischen und städtebaulichen Faktoren dazu beitragen, dass ein Infrastrukturbau im Stadtraum nicht als störendes Element, sondern als akzeptierter Bestandteil des Stadtgefüges erscheint. Der Augenmerk liegt in architektonischer Gestalt, künstlerischer Überformung und städtischer Integration, um die Rolle von Kunst und Architektur für die Identität der Infrastrukturbauten zu bestimmen.
Die methodische Gliederung der Arbeit fängt mit dem theoretischen Rahmen an, in dem man von Infrastruktur über Wahrnehmung bis zu Stadtidentität erfährt. Wie man überhaupt zu der ersten Müllentsorgung in Wien gekommen ist, wird in dem historischen Teil der Arbeit vorgestellt. Darauf aufbauend erfolgt die verschärfte Fallstudienanalyse der MVA Spittelau hinsichtlich der Städtebauanalyse und der drei vitruvianischen Grundprinzipien der Architektur, firmitas, utilitas und venustas. Qualitativ durchgeführte Interviews mit Bewohner:innen, Nutzer:innen, Architekt:innen und Student:innen dienen zur Verstärkung der Fallstudie. Im Anschluss werden zwei Vergleichsfälle, Copenhill und SELCHP, in Betrachtung genommen und im Hinblick auf Wahrnehmung, Bild und Identität analysiert, um ihre diverse Konnotation herauszuarbeiten.
Der Gedanke, dem diese Arbeit zugrunde liegt, soll gezeigt werden, wie Kunst und Architektur die Wahrnehmung technischer Infrastrukturbauten wesentlich verändern können, wenn sie als bewusst gestaltete Bauwerke in Erscheinung treten. An der MVA Spittelau wird deutlich, dass sie sich als positiver Identitätsträger der Stadt erhebt, während konventionelle Industriebauten die negative Bewertung klassischer MVAs reproduzieren. Ziel ist es, die Gestaltungsstrategien aus einer Verknüpfung von theoretischem Rahmen und empirischen Interviews herauszuarbeiten und zu zeigen, wie sie zur Neubestimmung von Bild und Identität technischer Infrastrukturbauten im urbanen Raum beitragen können.
The relationship between humans and waste is long-standing and deeply intertwined. Waste has existed since the dawn of humanity. But how has the concept of throwing away, disposing of and recycling changed over time to the present day?
Technical infrastructure buildings, such as waste incineration plants, are typically located on the outskirts of cities, spatially separated from everyday life and often associated with negative perceptions. In this context, the central task of this thesis is to examine, using the example of the Spittelau waste incineration plant in Vienna, which architectural, artistic and urban planning factors contribute to an infrastructure building in urban space being perceived not as a disruptive structure but as an accepted part of the urban fabric. The focus is on architectural design, artistic transformation and urban integration to determine the role of art and architecture in the identity of infrastructure buildings.
The methodological structure of the thesis begins with the theoretical framework, which covers topics ranging from infrastructure and perception to urban identity. The historical section outlines the origins and development of waste disposal in Vienna. Building on this, a detailed case study analysis of the Spittelau waste incineration plant is carried out with regard to urban development analysis and the three Vitruvian principles of architecture: firmitas, utilitas and venustas. Qualitative interviews with residents, users, architects and students serve to reinforce the case study. Subsequently, two comparative cases, Copenhill and SELCHP, are considered and analysed in terms of perception, image and identity to highlight their diverse connotations.
The idea underlying this work is to show how art and architecture can significantly change the perception of technical infrastructure buildings when they appear as consciously designed structures. The Spittelau waste incineration plant clearly stands out as a positive symbol of the city’s identity, while conventional industrial buildings reproduce the negative image of traditional waste incineration plants.The aim is to develop design strategies based on a combination of theoretical frameworks and empirical interviews and to show how they can contribute to redefining the image and identity of technical infrastructure buildings in urban spaces.
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