Dissertationen

Die Lehre der Architektur am Beispiel der Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg
Michaela POLAK
2020 WS

Die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg (kurz ISBKS in Folge) ist die älteste Institution ihrer Art in Europa. An der ISBKS finden seit Ihrer Gründung im Jahre 1953 durch den österreichischen Maler Oskar Kokoschka1 und den Salzburger Galeristen Friedrich Welz bis zum Jahre 2009 regelmäßig Architekturklassen statt. Das Institut bietet von Beginn je eine Klasse für die Disziplinen Malerei, Skulptur und Architektur an. Die Lehre an der „Schule des Sehens“ wird von Kokoschka für die Kunstklassen bewusst als antiakademisch definiert. Es gibt für diese Klassen weder Aufnahmeprüfungen noch Zeugnisse. Doch im Gegensatz zu den für alle Interessierten offenen Klassen anderer künstlerischer Gattungen sind die Architekturklassen stets mit einer „Zugangsbeschränkung“ für Studierende oder für zumindest „Vorgebildete“ der Architektur gedacht. Die in den Architekturklassen angewendeten Lehrmethoden bilden den Ausgangspunkt für diese Arbeit. Mit den Ansätzen zu experimentellen Organisations- und Entwurfsmethoden, den wechselnden internationalen Lehrern, den spezifischen Themen und später durch den Versuch der Interdisziplinarität, werden die Klassen im Laufe ihrer Entwicklung zu einem Labor für das Austesten, die Kommunikation und die Übersetzung von diversen Aufgabenstellungen in das Stadtleben Salzburgs. Die Architekturklassen sind impulsgebend für die Erneuerung der österreichischen Architektur nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Die Klasse aus dem Jahre 1953 dokumentiert durch ihre Teilnehmer auch den architektonischen Neuanfang Österreichs nach 1945. Die Architekturklassen beteiligen sich aktiv an demokratiepolitischen Prozessen, wie etwa an der Entstehung der Salzburger Fußgängerzone, dem Altstadterhaltungsgesetz, der Deklaration zum geschützten Grünland und später noch einmal im Diskurs um den Speckgürtel rund um Salzburg. Im Laufe der mehr als sechzigjährigen Geschichte wandeln sich Themen, Lehrmethoden und Definitionen der abgehaltenen Klassen.

Ein Zeitabschnitt von mehr als einem halben Jahrhundert Architekturausbildung bildet die Grundlage der Untersuchung. Sechzig Jahre Geschichte mit grundlegenden Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Kunst, aber auch innerhalb der ISBKS als Institution selbst. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der Architekturlehre mit dem Entwerfen als Kernkompetenz der Ausbildung. So unterschiedlich wie die Liste der Lehrenden an der ISBKS sind auch die angewendeten Lehrmethoden und thematischen Schwerpunkte der Themen. Insgesamt unterrichteten fünfzig verschiedene Lehrende, wie zum Beispiel Konrad Wachsmann, Jacob Berend Bakema oder Gustav Peichl und Wilhelm Holzbauer, die Klassen für Architektur an der Salzburger Institution. Diese Lehrenden stehen auch stellvertretend für verschiedene Zeitperioden und für die wichtigsten methodischen Unterschiede innerhalb der Sechzig Jahre. Immer wieder kehrten ehemalige Studenten Jahre später als Assistenten oder Lehrer mit ihren Erfahrungen im Gepäck an die Schule zurück. Es kommt zu einer generationsbedingten Ablöse. Demzufolge tauchen auch Methoden und Systeme in veränderter oder abgewandelter Form wieder auf. Die Betrachtung der Lehre kann zeigen, wie sich der Erkenntnisgewinn des Entwerfens durch Methode und Zeitgeist verändert.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

Die Entwicklung der Krankenhaus-Architektur in Wien und Niederösterreich um 1900 – Erkenntnisgewinnung und Wissensaustausch von 1880 bis 1914
Gustav SCHÄFER
2020 WS

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Die Auswahl des Arbeitstitels „Die Entwicklung der Krankenhaus-Architektur in Wien und Niederösterreich um 1900 – Erkenntnisgewinnung und Wissensaustausch von 1880 bis 1914“ am Beispiel der Landesheil- und Pflegeanstalten des Landes Niederösterreich „Mauer-Öhling“ und „Am Steinhof“ erfolgte unter dem Aspekt, dass um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts zum 20. Jahrhundert wesentliche Veränderungen im Krankenhausbau und besonders im Bau von Psychiatrischen Anstalten erfolgten.

Die Krankenhaus-Architektur hat in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zum Beginn des 1. Weltkriegs eine Entwicklung genommen, die einen Wendepunkt zu einer neuen Phase des Krankenhausbaus und der Krankenhausausstattung darstellt. Die Fortschritte und neuen Erkenntnisse in der medizinischen Behandlung, in der Krankenhaus-Hygiene und in der Bautechnik, verbunden mit einem regen Wissensaustausch machen diese Zeitspanne für die wissenschaftliche Bearbeitung spannend und interessant. Das gilt einerseits für den sozialmedizinischen Aspekt, aber besonders für die architekturhistorische und bauforschende Betrachtungsweise.

In dieser Zeit fanden sich Ärzte und Künstler zusammen, die Interesse an den Leiden der Geisteskranken zeigten und deren Lage durch innovative, neue Behandlungsmethoden und menschengerechte Unterbringung verbessern wollten. Ein Paradigmenwechsel ergab sich auch darin, dass die Nutzer – und hier vor allem die Ärzte und ärztlichen Direktoren – vermehrt in die Planung der Anstalten mit einbezogen wurden. Hier passierte erstmals etwas, das man als interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten auf der einen Seite und Architekten, Bautechnikern, technischen Landesbeamten und Landespolitikern auf der anderen Seite bezeichnen kann.

Das setzte aber im Vorfeld voraus, dass sie sich mit den Fortschritten der Medizin und den baulichen Vorbildern auseinandersetzen mussten. Diese Erkenntnisgewinnung erfolgte einerseits an Hand der entsprechenden Fachliteratur (Büchern und Zeitschriften), in erster Linie aber bei Studienreisen, bei denen einschlägige Krankenhäuser – wie Musteranstalten – besucht wurden. Aber auch der Besuch von Fachkongressen und Ausstellungen und der fachliche Austausch dort, haben zur Wissensanreicherung und zur Umsetzung beim Einbringen in Planungsgruppen wesentlich beigetragen.

Zum Thema dieser Arbeit gibt es keine umfassende Literatur, wohl aber periphere Hinweise und marginale kunsthistorische Bezüge in der Sekundärliteratur, die sich zum Teil mit historischem Quellmaterial auseinandersetzt.

Die Komplexität der oben erwähnten interdisziplinären Zusammenarbeit wirft eine Reihe von Fragen auf. Die Einmaligkeit dieser Arbeit ist es, diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Die Absicht, sie bestmöglich und mit wissenschaftlichem Anspruch zu beantworten, machten umfangreiche Recherchen erforderlich, die zu der vorliegenden Arbeit geführt haben, wobei bei der Komplexität der Thematik nicht allen möglichen Hinweisen nachgegangen werden konnte und dadurch manche Teilbereiche noch weiße Flächen auf der Erkenntnis-Landkarte darstellen.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

Camillo Sitte 2.0 – Was blieb vom zweiten Band?
Stefan KUBIN
2018 SS

Der Wiener Architekt Camillo Sitte (1843–1903) ist vor allem für sein 1889 erschienenes Werk „Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ bekannt, in dem er sprach- und bildgewaltig Kritik am zeitgenössischen Städtebau des auslaufenden 19. Jahrhunderts übte. Sitte plante nach eigener Aussage eine Fortsetzung dieser Kampfschrift, die – seit 1889 immer wieder neu aufgelegt – ein Standardwerk der Theorie des Städtebaus ist.

Unterschiedlichen Auffassungen nach sollte sich dieser zweite Band mit dem Titel: „Der Städtebau nach wissenschaftlichen und sozialen Grundsätzen“ mit der wirtschaftlichen bzw. mit der praktischen Umsetzung von Sittes Theorien im Städtebau auseinandersetzen. Die Dissertation widmet sich der Aufarbeitung einer bislang unbearbeiteten – und bis knapp vor Camillo Sittes Tod 1903 geführten – Materialiensammlung zu diesem geplanten aber nie fertiggestellten zweiten Band.

Im Rahmen der Arbeit werden nachstehende Fragestellungen diskutiert:
– Einordnung und Gegenüberstellung des Manuskriptes (bezugnehmend auf den ersten Band „Der Städte-Bau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“)
– gibt es Querbezüge, Abgrenzungen, Revisionen in Bezug Sittes anderer Schriften?
– welche zeitgenössischen Autoren beeinflussten bzw. waren für ihn entscheidend?
– welche Relevanz haben die von ihm angesprochenen Themen?
– in wie fern ändert es den (heutigen) Blick auf Sittes Schaffen?
Besonderes Augenmerk wird in der Auseinandersetzung mit Camillo Sittes auch auf die noch vorhandenen Bestände seiner Arbeitsbibliothek gelegt.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

Spätgotische Architektur im Raum Wiener Neustadt zur Zeit Kaiser Friedrichs III
Franz SAGAISCHEK
2018

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Friedrich III. wird 1439 Herzog von Österreich, 1440 deutscher König und macht nach seinem Regierungsantritt Wiener Neustadt zu einer seiner Residenzstädte. Obwohl es letztlich keine schriftliche Überlieferung einer eigenen Bauhütte in Wiener Neustadt gibt, geht doch die Literatur in Bezug auf die gesamte baukünstlerische Entwicklung damalig von einem Zentrum aus, das um Wiener Neustadt entstanden ist und auch weit in die Steiermark gewirkt hat. Während in Wien eine Bauhütte klar dokumentiert ist, gibt es für Wiener Neustadt, ebenso für Graz nur wenige bis keine schriftlichen Hinweise.

 

Der in der Arbeit behandelte Zeitabschnitt deckt sich weitgehend mit der Regierungszeit Friedrichs III. (1415-1493), der 1452 römisch-deutscher Kaiser wird. Tradition und Kontinuität in Anlehnung an die ersten Habsburger bilden einen wesentlichen Machtfaktor, der sich auch in der Architektur widerspiegelt. Die retrospektiv gehaltene Gestaltung zu jener Zeit ist augenscheinlich, absichtlich und vor allem mit großem Einfluss auf die nahe, aber auch weitere Umgebung.

 

Für die Beurteilung sind in erster Linie Grundrisstypologien, Säulen- und Gewölbeformen sowie der Bautypus maßgeblich für die Beurteilung. Die Arbeit soll Stilparallelen und Widersprüche im Raum Wiener Neustadt und Umgebung von Wien bis in den Grazer Raum und weiter anhand der Bautätigkeiten aus jener Zeit aufzeigen und analysieren.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

BLATTLINIEN – Die österreichischen Architekturzeitschriften „Der Aufbau“ und „Der Bau“ als Leitmedien des institutionellen Fachdiskurses 1946–1971
Gabriele KAISER-MÜHLECKER
2017 WS

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Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und fachimmanenten Umwälzungen, die sich in Architektur und Städtebau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vollziehen, spiegeln sich in den österreichischen Fachzeitschriften der Nachkriegszeit in eindrücklicher Weise, wobei zwei für die Architekturdebatte nach 1945 besonders bedeutsam sind: Zum einen die vom Wiener Stadtbauamt herausgegebene Monatsschrift Der Aufbau, zum anderen das zunächst in Graz erscheinende volkstümliche Monatsblatt Der Bau, das ab 1949/1950 von der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs herausgegeben wurde und danach einen raschen Professionalisierungsschub erfuhr. Die beiden, einerseits von der Wiener Bauverwaltung, andererseits von einer Berufsvereinigung herausgegebenen Fachmedien sind der – in der Architekturforschung zwar ausgiebig benutzter, aber selbst kaum erforschter – Gegenstand vorliegender Arbeit. In Form von synchronen Längsschnitten und exemplarischen Text- und Diskursanalysen wird der Versuch unternommen, eine Biografie der Leitmedien des Fachdiskurses der Nachkriegszeit zu schreiben, mit dem Ziel, Mechanismen und Wirkungsweisen des Vermittelns von Architektur und Städtebau in ihrer institutionellen Gebundenheit und Erneuerungsfähigkeit darzulegen. Nicht nur die medial repräsentierten Gebäude oder „Baugesinnungen“, sondern auch die Textgattungen, Rubriken und bilddidaktischen Strategien werden einer kritischen Lektüre unterzogen und mit weiteren Fachzeitschriften bzw. mit der am Beginn der 1960er-Jahre erblühenden Architekturkritik in der Tagespresse in Beziehung gesetzt. Methodisch wurde eine Synthese aus Rezeptionsgeschichte und Medieninhaltsforschung angestrebt, um Funktionsweise, historische Entwicklung und Produktionsbedingungen des Artefakts Zeitschrift mit architekturgeschichtlichen Themen zu verbinden. Im Kräfteverhältnis zwischen Bauverwaltung, etablierter und experimenteller „freier Szene“ zeigt sich, wie sehr Medien sowohl als „Gefäß“ (etwa zur Dokumentation des kommunalen Bauprogramms), als auch als „Werkzeug“ (etwa zur Durchsetzung von städtebaulichen Leitbildern) eingesetzt wurden. Entlang einer Zeitspanne von 25 Jahren wird herausgearbeitet, mit welcher Tendenz fachrelevante Themen nach 1945 selektiert und medial aufbereitet wurden und in welcher Weise das historische Wissen über Architektur in Österreich von diesen publizistischen Filtern mitbestimmt wurde. Der besondere Reiz der Konzentration auf Architekturzeitschriften liegt in der Zeitgebundenheit und Beiläufigkeit des Stoffes. Vorliegende Arbeit versteht sich als Beitrag, die Manifestationen aus „Zeit“ und „Schrift“ nicht nur als ergiebige historische Quelle zu schätzen, sondern auch als Konstruktion besser zu verstehen.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER Uni Wien

„Frauengerechte“ Modellwohnprojekte der 1990er Jahre. Die versuchte Einflussnahme von Frauen als Auftraggeberinnen auf den österreichischen geförderten Wohnbau
Sabina RIß
2017 WS

1992 bis 1998 wurden in Österreich im öffentlich geförderten Geschosswohnbau erstmals von frauenpolitischer Verwaltungsebene fünf, sogenannte frauengerechte Modellwohnprojekte initiiert und unterstützt. Damit beabsichtigt waren die Einführung von Qualitätskriterien, die auch frauenspezifische Alltagsbezüge berücksichtigen sowie die Erhöhung der Teilhabe von Fachfrauen in der Wohnbauproduktion. Die erstmalige systematische Dokumentation sowie Gesamtanalyse ist der Beitrag dieser Dissertation zu einer feministischen Wohnbauforschung. Die Untersuchung wird von folgenden Fragestellungen geleitet: Welche Erfolge und Misserfolge kennzeichneten die selbstbestimmten Maßnahmen der Frauen in den Entwicklungen der Projekte? Welche Raumkonzepte konnten realisiert werden und welche Innovationen sind dabei erkennbar? Welche Impulse und Wirkung hatten die Projekte und ihre Begleitmaßnahmen für den geförderten Wohnbau?

Basierend auf umfangreicher Materialrecherche und einer Vielzahl von Interviews mit ProjektakteurInnen werden dafür die Entstehungsprozesse und Realisierungen der Wohnprojekte analysiert und dadurch vertiefende Erkenntnisse zu Zielsetzungen und Rahmenbedingungen, Maßnahmen und Spannungsfeldern sowie Innovationen der Ergebnisse und Wirksamkeiten gewonnen: Unter Bezugnahme auf ähnliche Projekte in Deutschland wurden in intensiven Vorbereitungsphasen mit Expertinnen relevante Entwurfskriterien für die Auslobungen entwickelt. Eine wichtige, jedoch umstrittene Maßnahme war das Abhalten von geladenen Wettbewerben ausschließlich für weibliche Ziviltechnikerinnen. Insgesamt stieß die Entwicklung der Wohnprojekte auf große Widerstände in Politik, Verwaltung, Fachkreisen und bei Bauträgern. Dennoch wiesen die realisierten Wohnbauten Innovationen betreffend hoher Gebrauchsorientierung und Alltagstauglichkeit in Wohnumfeld, Wohngebäuden und Wohnungen auf. Dank umfangreichen Begleitmaßnahmen erfolgte zwar eine thematische Bewusstmachung in der Fachöffentlichkeit und Öffentlichkeit, jedoch die beabsichtigten, nachhaltigen Veränderungen im öffentlich geförderten Geschosswohnbau wurden nur in geringem Ausmaß unmittelbar erzielt.

Rigorosum 31.01.2017

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

The Franciscan architecture in OFM Bosna Argentina in the XIX and XX century
Miroslav MALINOVIC
2015 WS

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Diese vorliegende Dissertation beschäftigt sich mit der Architektur der Klöster und Klosterkirchen in der franziskanischen Provinz OFM Bosna Srebrena, (Bosna Argentinia lat.). Sie umfasst 19 Standorte in Bosnien und Herzegowina, Serbien, Kroatien und im Kosovo (UN Res 1244). Die Bauten befinden sich innerhalb von fünf Diözesen: Erzdiözese von Vrhbosna, Erzdiözese von Belgrad, Erzdiözese von Zagreb, Erzdiözese von Priština und der Diözese Banja Luka und sind von der Mitte des XIX. Jahrhunderts bis zur Gegenwart errichtet worden.

Die Forschungsarbeit über die franziskanische Architektur in OFM Bosna Argentina im XIX. und XX. Jahrhundert beschäftigt sich zuerst mit den allgemeinen historischen Fakten auf bosnischem Territorium, mit den Franziskanern im Allgemeinen und insbesondere mit den Franziskanern in Bosnien. Der Analyse der Architektur in dieser Provinz wird eine grundlegende Diskussion über das Mönchstum, die Bettelorden, die Franziskaner und ihre Architektur vorangestellt. Darauffolgend wird die europäische Sakralarchitektur mit der bosnischen sowie genauer mit der franziskanischen, bosnischen Architektur untersucht und verglichen. Den Kern der Arbeit bildet eine Auswahl von sechs repräsentativen, bedeutenden und typischen Klöstern in diesem Gebiet die ausführlich analysiert werden; die Wahl wurde sorgfältig getroffen, um die bunte Vielfalt der Architektur in dieser Provinz zu veranschaulichen. Neben der untersuchten Epoche in dem Gebiet der OFM Bosna Srebrena beschäftigt sich die Dissertation auch mit allen mittelalterlichen, nicht mehr bestehenden Vorgängerbauten sowie mit einigen anderen interessanten, einflussreichen Stätten in dieser Provinz, die für die Wahl der jeweiligen Klosterstandorte ausschlaggebend waren.

Die Ergebnisse basieren auf vielen erstmals offiziell veröffentlichten Archivalien, dokumentieren gebaute und abgelehnte Projekte, Zahlen und Fakten, sowie Daten über die beteiligten Architekten, Bildhauer, Maler und Kunsthandwerker. Das grundlegende Anliegen dieser Arbeit bestand in einer detaillierten Forschung und Präsentation der architektonischen Werte und Highlights der Klosterarchitektur in diesem Gebiet, die ehemals einen Beitrag zur bosnischen Architektur leisteten und bislang nicht umfassend erforscht sind. Die aufgestellten Hypothesen überprüfen nicht nur einige der wichtigsten Fragen in Bezug auf die Architektur, sondern diskutieren auch die kritischen wegweisenden Einstellungen zur Architektur der Klöster und Klosterkirchen in OFM Bosna Argentina im räumlichen, zeitlichen und architekturhistorischen Kontext. Der Fokussierung der Forschungsarbeit auf die Architektur zuliebe wurden manche Einflussfaktoren bewusst ausgeklammert. Wegen der oft schwierigen, angespannten Situation zwischen den verschiedenen Religionen, Nationalitäten und Minderheiten in Bosnien nimmt die Arbeit explizit dazu keine politische Stellung.

Die angewandten Methoden befassen sich mit den etablierten Methoden der Architekturforschung: Feldarbeit, Archiv- und Bibliotheksforschung, vergleichende Analysen, Befragungen beteiligter Personen und die systematische Bewertung der abgerufenen Daten.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

Ephemere Kunst im musealen Spannungsfeld-von Kunst und Architektur am Beispiel des Kunsthauses Bregenz
Carmen RIST-STADELMANN
2015 WS

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Anlässlich der Eröffnungsausstellung des Kunsthauses Bregenz (KUB) im Jahr 1997 hinterließ der amerikanische Künstler James Turrell mit seiner Fassadeninstallation am Ausstellungsgebäude einen bleibenden Eindruck. Seither verwirklichen Künstlerinnen und Künstler immer wieder direkt an der Außenfassade des KUB temporäre Installationen und lassen dadurch den umliegenden städtischen Raum in unterschiedlichsten Stimmungsbildern erscheinen. Diese individuelle Symbiose von zeitgenössischer Kunst und Architekturfassade bringt ein beeindruckendes Phänomen zum Vorschein: Die Fassade hat nicht mehr allein die Funktion einer architektonischen Hülle inne – sie fungiert gleichsam als eine Art Projektionsfläche für vielfältige Installationen unterschiedlichster künstlerischer Medien. Dadurch wird die Glasfassade als solche Teil eines ephemeren Kunstwerkes. Das KUB, eine viel zitierte Architekturikone, das selbst als Kunstwerk verstanden wird, erlangt aus architektonischer Sicht in diesem temporären Zusammenspiel eine herausragende Bedeutung: Durch diese Form der Fassadengestaltung bekommt das Ausstellungsgebäude eine zusätzliche Bedeutung, einen Mehrwert oder gar eine Transformation für kurze Zeit, die Gegenstand dieser Dissertation ist.

Die vorliegende Arbeit begann mit der Studie der Fassadeninteraktionen am Ausstellungsgebäude des KUB und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer Untersuchung des ephemeren Zusammenspiels zwischen Gebäudefassaden und Kunst im Allgemeinen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Bedeutung dieser Symbiose innerhalb der zeitgenössischen Kunst und der Architekturtheorie des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Beide Bereiche werden hierbei nicht isoliert, sondern miteinander, als ein neues Ganzes, betrachtet. Zudem wird der Wert der KUB-Fassaden-Arbeiten für Künstlerinnen und Künstler und die Kunstinstitution, ihre Position innerhalb von Künstleroeuvres und zeitgenössischem Geschehen in Kunst und Architektur sowie ihre Wirkung im öffentlichen Raum analysiert. Untersucht wird ferner, ob diese Interventionen die Akzeptanz für zeitgenössische Kunst erhöhen und den Diskurs mit der Bevölkerung fördern.

Diese Arbeit verfolgt nicht den Anspruch, eine Monografie über das KUB oder eine historische Darstellung über Architekturfassaden, Ausstellungsbauten und Fassadenkunst vorzulegen, vielmehr nähert sie sich diesem komplexen Thema aus architektonischer Sicht und versucht, die Interaktionen zwischen der Fassade und der ephemeren Kunst aus unterschiedlichen Perspektiven offenzulegen. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf den künstlerischen Arbeiten am KUB.

Festzuhalten ist, dass dieses Thema bislang kaum wissenschaftlich erforscht wurde. Deshalb war es nötig, grundlegende Recherchen vorzunehmen. Dazu zählen, neben der Dokumentation aller bis September 2015 realisierten Fassadeninstallationen am KUB, Interviews mit den ausführenden Künstlerinnen und Künstlern, Politikern, Kunstverantwortlichen sowie mit dem Architekten Peter Zumthor. Ausgehend davon erfolgte die Struktur der Arbeit nach klassischen Kriterien. So werden im ersten Teil das Kunsthaus als Institution und Bautyp, die Fassade als eigener Bauteil, Möglichkeiten und Arten der Fassadeninteraktionen und ihre Ausstrahlung in den umliegenden öffentlichen Raum diskutiert. Der Vergleich mit weiteren temporären Fassadeninteraktionen in der österreichischen Ausstellungslandschaft ergänzt diesen methodischen Ansatz. Im zweiten Teil der Arbeit werden das KUB selbst, die Eigenschaften und Besonderheiten seiner Fassade sowie die Fassadeninstallationen im Detail behandelt. Ein Katalog der einzelnen Interventionen, ihre Beschreibung und Wertung sowie ihre Verortung im Oeuvre der einzelnen Kunstschaffenden schließen die Arbeit ab.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien