Dissertationen

Die Lehre der Architektur am Beispiel der Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg

Michaela POLAK 2020 WS – 2023 SS
Betreut von:
Sabine Plakolm-Forsthuber

Die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg (kurz ISBKS in Folge) ist die älteste Institution ihrer Art in Europa. An der ISBKS finden seit Ihrer Gründung im Jahre 1953 durch den österreichischen Maler Oskar Kokoschka1 und den Salzburger Galeristen Friedrich Welz bis zum Jahre 2009 regelmäßig Architekturklassen statt. Das Institut bietet von Beginn je eine Klasse für die Disziplinen Malerei, Skulptur und Architektur an. Die Lehre an der „Schule des Sehens“ wird von Kokoschka für die Kunstklassen bewusst als antiakademisch definiert. Es gibt für diese Klassen weder Aufnahmeprüfungen noch Zeugnisse. Doch im Gegensatz zu den für alle Interessierten offenen Klassen anderer künstlerischer Gattungen sind die Architekturklassen stets mit einer „Zugangsbeschränkung“ für Studierende oder für zumindest „Vorgebildete“ der Architektur gedacht. Die in den Architekturklassen angewendeten Lehrmethoden bilden den Ausgangspunkt für diese Arbeit. Mit den Ansätzen zu experimentellen Organisations- und Entwurfsmethoden, den wechselnden internationalen Lehrern, den spezifischen Themen und später durch den Versuch der Interdisziplinarität, werden die Klassen im Laufe ihrer Entwicklung zu einem Labor für das Austesten, die Kommunikation und die Übersetzung von diversen Aufgabenstellungen in das Stadtleben Salzburgs. Die Architekturklassen sind impulsgebend für die Erneuerung der österreichischen Architektur nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Die Klasse aus dem Jahre 1953 dokumentiert durch ihre Teilnehmer auch den architektonischen Neuanfang Österreichs nach 1945. Die Architekturklassen beteiligen sich aktiv an demokratiepolitischen Prozessen, wie etwa an der Entstehung der Salzburger Fußgängerzone, dem Altstadterhaltungsgesetz, der Deklaration zum geschützten Grünland und später noch einmal im Diskurs um den Speckgürtel rund um Salzburg. Im Laufe der mehr als sechzigjährigen Geschichte wandeln sich Themen, Lehrmethoden und Definitionen der abgehaltenen Klassen.

Ein Zeitabschnitt von mehr als einem halben Jahrhundert Architekturausbildung bildet die Grundlage der Untersuchung. Sechzig Jahre Geschichte mit grundlegenden Veränderungen in Politik, Gesellschaft und Kunst, aber auch innerhalb der ISBKS als Institution selbst. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt auf der Architekturlehre mit dem Entwerfen als Kernkompetenz der Ausbildung. So unterschiedlich wie die Liste der Lehrenden an der ISBKS sind auch die angewendeten Lehrmethoden und thematischen Schwerpunkte der Themen. Insgesamt unterrichteten fünfzig verschiedene Lehrende, wie zum Beispiel Konrad Wachsmann, Jacob Berend Bakema oder Gustav Peichl und Wilhelm Holzbauer, die Klassen für Architektur an der Salzburger Institution. Diese Lehrenden stehen auch stellvertretend für verschiedene Zeitperioden und für die wichtigsten methodischen Unterschiede innerhalb der Sechzig Jahre. Immer wieder kehrten ehemalige Studenten Jahre später als Assistenten oder Lehrer mit ihren Erfahrungen im Gepäck an die Schule zurück. Es kommt zu einer generationsbedingten Ablöse. Demzufolge tauchen auch Methoden und Systeme in veränderter oder abgewandelter Form wieder auf. Die Betrachtung der Lehre kann zeigen, wie sich der Erkenntnisgewinn des Entwerfens durch Methode und Zeitgeist verändert.

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

„Frauengerechte“ Modellwohnprojekte der 1990er Jahre. Die versuchte Einflussnahme von Frauen als Auftraggeberinnen auf den österreichischen geförderten Wohnbau

Sabina RISS 2014 SS – 2016 WS
Betreut von:
Sabine Plakolm-Forsthuber

1992 bis 1998 wurden in Österreich im öffentlich geförderten Geschosswohnbau erstmals von frauenpolitischer Verwaltungsebene fünf, sogenannte frauengerechte Modellwohnprojekte initiiert und unterstützt. Damit beabsichtigt waren die Einführung von Qualitätskriterien, die auch frauenspezifische Alltagsbezüge berücksichtigen sowie die Erhöhung der Teilhabe von Fachfrauen in der Wohnbauproduktion. Die erstmalige systematische Dokumentation sowie Gesamtanalyse ist der Beitrag dieser Dissertation zu einer feministischen Wohnbauforschung. Die Untersuchung wird von folgenden Fragestellungen geleitet: Welche Erfolge und Misserfolge kennzeichneten die selbstbestimmten Maßnahmen der Frauen in den Entwicklungen der Projekte? Welche Raumkonzepte konnten realisiert werden und welche Innovationen sind dabei erkennbar? Welche Impulse und Wirkung hatten die Projekte und ihre Begleitmaßnahmen für den geförderten Wohnbau?

Basierend auf umfangreicher Materialrecherche und einer Vielzahl von Interviews mit ProjektakteurInnen werden dafür die Entstehungsprozesse und Realisierungen der Wohnprojekte analysiert und dadurch vertiefende Erkenntnisse zu Zielsetzungen und Rahmenbedingungen, Maßnahmen und Spannungsfeldern sowie Innovationen der Ergebnisse und Wirksamkeiten gewonnen: Unter Bezugnahme auf ähnliche Projekte in Deutschland wurden in intensiven Vorbereitungsphasen mit Expertinnen relevante Entwurfskriterien für die Auslobungen entwickelt. Eine wichtige, jedoch umstrittene Maßnahme war das Abhalten von geladenen Wettbewerben ausschließlich für weibliche Ziviltechnikerinnen. Insgesamt stieß die Entwicklung der Wohnprojekte auf große Widerstände in Politik, Verwaltung, Fachkreisen und bei Bauträgern. Dennoch wiesen die realisierten Wohnbauten Innovationen betreffend hoher Gebrauchsorientierung und Alltagstauglichkeit in Wohnumfeld, Wohngebäuden und Wohnungen auf. Dank umfangreichen Begleitmaßnahmen erfolgte zwar eine thematische Bewusstmachung in der Fachöffentlichkeit und Öffentlichkeit, jedoch die beabsichtigten, nachhaltigen Veränderungen im öffentlich geförderten Geschosswohnbau wurden nur in geringem Ausmaß unmittelbar erzielt.

Rigorosum 31.01.2017

Betreut von:
Sabine PLAKOLM-FORSTHUBER TU Wien

Foto Sabina Riß